Das war der Vortrag „S18 in Höchst“

22. November 2021 | S18, Vortrag

Am 17.11. fand der langersehnte Vortrag von Andreas Postner als digitale Veranstaltung statt. Der Architekt ist seit Jahrzehnten in das Planungsverfahren der S18 involviert und hat diesen Abend mit der Geschichte dieses Straßenprojektes begonnen. Er berichtet weiters über das konsensuale Planungsverfahren „MIR Mobil im Rheintal“, das ursprünglich die Zielsetzung hatte: wir suchen die beste Lösung – das kann eine Straße, ein Radwege, der Ausbau des ÖPNV u.v.a. bedeuten.

Z oder CP? Welche Variante macht das Rennen?

Andreas Postner berichtet eindrücklich über die verschiedenen Varianten und warum welche Variante nicht weiterverfolgt wurde. Schlussendlich blieben noch Variante Z und Variante CP übrig. Wobei sich alle NGOs einig waren, dass die Z-Variante nicht realisierbar sein wird. Im November 2020 bestätigt dies auch nach mehr als 8 Jahren die ASFINAG und verkündet, nur die CP-Variante habe Realisierungschancen.

Offen bleibt: warum braucht die Asfinag mehr als 8 Jahre um die Z-Variante als „nicht realisierbar“ einzustufen – die naturschutzrechtliche Beurteilung war bereits lange vorher klar.

Für Höchst sind viele Fragen offen

Auch bei der CP-Variante sind noch viele Fragen offen, beispielsweise den für Höchst so wichtigen Anschluss an die Schweiz. Auch nach 8 Jahren Planung ist nicht klar, ob der Rhein untertunnelt wird oder wie genau die Anschlussstelle Höchst Brugg / St. Margrethen aussehen soll. Die aktuelle Kostenschätzung liegt bei 1,5 Milliarden Euro.

Höchst und Fussach haben derzeit gültige Gemeindevertretungs-Beschlüsse aus den Jahren 2011 und 2014, die besagen, dass die Gemeinden einer Trassenführung nur in Form einer Rhein-Untertunnelung zustimmen.

Neue Plangrundlage: S18 wird 4-spurig

Was wir bisher wissen: die Asfinag legt im Regionalforum eine veränderte Planungsgrundlage vor – dabei wurde aus der zweispurigen S18 eine vierspurige Quasi-Autobahn. Begründet haben sie das mit einem deutlich erhöhten Verkehrsaufkommen. Die dazugehörigen Daten wurden bisher nicht öffentlich gemacht. Eine 4-spurige Straße braucht mindestens eine Breite von 28,5 Metern, mit Begleitbauwerken und Anrampungen kann das bis zu 35 Meter breit werden. Auch steht im Raum, ob der Anschlussknoten auf österreichischer Seite kommen kann, also im Gemeindegebiet Brugg/Fussach.

Es gibt eine Reihe von Argumenten, die klar gegen die CP-Variante sprechen:

  • Ökonomische Verluste (Wertverlust von Grundstücken, Häusern…)
  • Verlust an Lebensqualität
  • Verlust an Naturraum
  • Zerschneidung von Freiräumen
  • Gigantische Bodenversiegelung
  • Extrem verschlechterte Co2 Bilanz
  • Enormer Energie- und Kapitalverbrauch
  • Enormer Zeitaufwand (Fertigstellung in frühestens 20 Jahren!)
  • Einkesselung Lustenaus
  • Zerschneidung von Höchst
  • Extrem fragwürdige Realisierungschancen

Was könnten also die Motive hinter dem Realisierungswunsch sein:

  • Zusagen, Vereinbarungen
  • Angst vor Gesichtsverlust
  • Interessen diverser, mächtiger Lobbys
  • Parteipolitische Kalküle
  • Sorge, dass es keine anderen Lösungen gibt

Alternativen zur S18 sind möglich

Wie so oft: ES GIBT ALTERNATIVEN. MAN MUSS SIE NUR WOLLEN!

Alternativen werden erst dann realisierbar, wenn der Preis für das Festhalten an der Realisierung der CP Trasse politisch und ökonomisch zu hoch wird.

Die Golden Gate-Lösungbeinhaltet, neben Adaptierungen in Höchst, den Neubau einer Autobahnspange südlich von Lustenau, etwa im Bereich zwischen Diepoldsau – Mäder.

Die Planungen der Schweiz kommen diesem Vorhaben sehr entgegen.

Die Vorteile sind immens:
Geringerer Planungs-Aufwand, geringer Flächenverbrauch, geringere
Kosten, höhere Raumverträglichkeit, Schonung der höchstwertigen Naturschutzräume, höhere Verkehrswirksamkeit für das gesamte Rheintal, Entlastung aller Grenzübergänge des Rheintals, Einsparung der umstrittenen Tunnelspinne in Feldkirch, schnellere Realisierungschance, weitaus geringere Gegnerschaft, gemeinsame Lösung fast aller.

DIESE VARIANTE WURDE BISHER NOCH NIE GEPRÜFT!

Was bleibt jetzt zu tun?

  • Informationen und Transparenz fordern! (z.B. hat die Fraktion Höchste Zeit & die Grünen den Antrag gestellt, dass der Bürgermeister bis spätestens Jänner Vertreter der Asfinag in die Gemeindevertretung einladen muss, der dann den Gemeindemandataren zum aktuellen Planungsstand Rede und Antwort stehen wird)
  • das Ausstecken der Trasse fordern
  • sich als Bürgerinitiative zusammenschließen, um ins Verfahren eingeladen zu werden

Für Höchste Zeit ist und bleibt die S18 ein Herzensthema – wir bleiben daher an dem Thema intensiv dran, um endlich mehr Klarheit und Transparenz in das Ganze zu bringen!

Weitere Veranstaltungen sind für Anfang 2022 geplant.

 

Hier findet ihr den gesamten Vortrag zum Nachsehen/-hören.

Interessante Links zum Thema:

Naturschutzanwalt > Alternativen zur S18 – ja bitte! http://www.naturschutzanwalt.at/s-18-alternativen-ja-bitte/

Lebensraum Zukunft Lustenau > https://lebensraum-zukunft-lustenau.at/daten-und-fakten/ oder unter downloads https://lebensraum-zukunft-lustenau.at/downloads/

Interview Andreas Postner Radio Proton > https://lebensraum-zukunft-lustenau.at/2021/11/andreas-postner-zur-s18-in-lustenau/

Schlussdokument Mobil im Rheintal (2011) > https://vorarlberg.at/-/mobil-im-rheintal-bodensee-schnellstrasse-s18

Interview Andreas Postner zur Tunnelspinne > https://cba.fro.at/484594